Mein Lebenslauf

Schulbesuch und Ausbildungen

1962 – 1972             Allgemeinbildende Polytechnische Leibniz-Oberschule, Abschluss 10. Klasse

1972 – 1973             Interhotel DEUTSCHLAND/AM RING, Ausbildung zum Koch, aus gesundheitlichen Gründen beendet, weitere Ausbildung im Interhotel ASTORIA

1973 – 1975              Interhotel ASTORIA Leipzig, Ausbildung zum und Abschluss als Wirtschaftskaufmann

Berufliche Tätigkeiten

07/1975 – 11/1975  Interhotel ASTORIA Leipzig, Wirtschaftskaufmann, Inventuren und Kontrollen der Inventuren, Preisinspektor (Kalkulationen für die Preise von Speisen und Getränken in den Restaurants, Bars und Getränkebuffets (Ausschank), Preiskontrolle im Intershop

11/1975 – 05/1977  Wehrdienst, Nationale Volksarmee der DDR, Dienststelle Döbeln, Flakregiment, Tätigkeit als Verantwortlicher Unteroffizier im Bereich Bekleidung und Ausrüstung (BA) (liebevoll auch Kammerbulle genannt), ehrenvoll entlassen als Unteroffizier (Uffz.)

05/1977 – 03/1978  Interhotel ASTORIA Leipzig, Wirtschaftskaufmann, Inventuren und Kontrollen der Inventuren, Preisinspektor (Kalkulationen für die Preise von Speisen und Getränken in den Restaurants, Bars und Getränkebuffets (Ausschank), Preiskontrolle im Intershop

04/1978 – 01/1981  Rohrleitungen und Isolierungen Leitbetrieb, Arbeitsökonom (Arbeitszeiterfassungen und Kontrollen, Erarbeitung von Rationalisierungs-massnahmen in den produktiven Betriebsteilen)

02/1981 – 12/1990  Vereinigung der Sprachmittler der DDR beim Verband der Journalisten, Leiter des Bildungs- und Veranstaltungszentrums Leipzig, Organisation der Verbandsarbeit, Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen z.B. Weiterbildungen national und international , Feiern anlässlich der Verteidigung von Diplom- und Doktorarbeiten, internationale Kongresse (u.a. der UNESCO), Veranstaltungen zu den Leipziger Frühjahrs- und Herbstmessen sowie zur Konsumgütermesse, Familienfeiern, Betriebsfeiern – alles mit gastronomischer Versorgung (warme und kalte Küche, Buffets, nationale und internationale Getränke, Barbetrieb)

01/1991 – 04/1992  Lebensmitteleinzelhandel Becker, Verkaufsleiter im Lebensmitteleinzelhandel (Frischwaren wie Brot, Brötchen, Wurst, Aufschnitt sowie das komplette Sortiment von Milch bis Schokolade, alkoholische und nichtalkoholische Getränke, von Salz bis Mehl, Zigaretten usw.), Partyservice z.B. bei der Vorstellung neuer Automarken im Citroen Autohaus Leipzig, Mercedes Vertretung Autohaus Leipzig, Familienfeiern, Grillpartys u.a.)

05/1992 – 12/1999  selbständig, Reiseleiter, Inhaber Reisebüro – zwei Jahre als Reiseleiter im Bereich Buserlebnis-Reisen europaweit und in Afrika unterwegs (ich habe die Reisen nicht nur geführt, sondern auch erläutert, mit Musik untermalt und zu einem wirklichen Erlebnis für die Gäste und auch für mich gemacht, in Marokko durfte ich sogar Stadtführungen mit Erläuterungen durchführen, sonst ist das nur ortsansässigen und von den Behörden geprüften Guides erlaubt); 1994 habe ich ein Reisebüro gegründet, später noch zwei weitere Büros eröffnet; leider habe ich nicht aufgepasst und oft genug nachgefragt – ich bin krachend in die Pleite gerutscht und musste Insolvenz anmelden; an dieser Insolvenz habe ich bis 2019 zu kämpfen gehabt, jetzt bin ich schuldenfrei, bedauere dies jedoch immer noch sehr. Mein Herzblut hing daran und ich hatte tolle, fleissige und engagierte Mitarbeiter.

01/2000 – 06/2007  Praxis Dr. med. Thomas Giebe, Praxismanager (Organisation der gesamten Arztpraxisarbeit inkl. Patientenannahme, Vorbereitung von Untersuchungen, Dokumentation der Untersuchungen, Durchführung und Organisation der Disease-Management-Programme Diabetes und Koronare Herzerkrankungen, Vorbereitung und Durchführung der monatlichen und Quartalsabrechnungen gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung KV Leipzig, Berichte an Krankenkassen, Rentenversicherungsträger, Kuranträge, Anträge für medizinische Leistungen sowie Pflegestufen und -Leistungen)

07/2007 – 05/2011  Praxis Dipl.-Med. Astrid Georgi, Praxismanager (Organisation der gesamten Arztpraxisarbeit inkl. Patientenannahme, Vorbereitung von Untersuchungen, Dokumentation der Untersuchungen, Durchführung und Organisation der Disease-Management-Programme Diabetes und Koronare Herzerkrankungen, Vorbereitung und Durchführung der monatlichen und Quartalsabrechnungen gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung KV Leipzig, Berichte an Krankenkassen, Rentenversicherungsträger, Kuranträge, Anträge für medizinische Leistungen sowie Pflegestufen und -Leistungen)

06/2011 – 04/2012  arbeitsunfähig wegen einer Nierenerkrankung

05/2012 – 09/2012  TEMA, Telefonmarketing, Mitarbeiter Callcenter, ich möchte hierzu nichts näheres ausführen, es war für mich ein „Scheiss-Job“ und nicht das, was man mir vorher gesagt hatte. Ich habe auf jeden Fall gelernt, wie man es nicht machen sollte.

10/2012 – 10/2015  Unister Travel GmbH, Mitarbeiter Online-Reisebüro, Annahme von Anrufen zum Thema Reisebuchungen, Reiseversicherungen, Nachfragen zu bestehenden Buchungen, Krisenmanagement, Bearbeitung von Reklamationen, Buchung von Reisen (alles telefonisch)

seit 11/2015              Rentner (volle Erwerbsminderung)

seit Dezember 2019 aktiver Blogger, nebenberuflicher Journalist

Ausbildungen

1979 – 1984              Fachhochschule für Verkehrstechnik Dresden, Abschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH) Fernstudium

01/1992 – 05/1992  Internationale Reiseleiterschule, Ausbildung zum und Abschluss als Europa-Reiseleiter

03/2008 – 06/2008 Ausbildung und Abschluss als Diabetesassistent

2007 – 2010 Besuch der Diabetes-Akademie Leipzig (laufende Weiterbildung)

Auszeichnungen

1988 Verdienter Aktivist der DDR (tatsächlich nur für meine geleistete Arbeit ohne irgend einen politische Hintergrund)

1984 Verdienstmedaille des Ministeriums des Inneren der DDR in Gold (für meine aktive Mitarbeit bei der Aufklärung zweier Kapitalverbrechen – Mord und versuchter Mord – an Homosexuellen)

1975 Leistungsabzeichen der Nationalen Volksarmee der DDR in Silber (für die Entwicklung neuer, rationalisierter Lagerungsvarianten für Bekleidung und Ausrüstung)

1975 Verdienstmedaille der Nationalen Volksarmee der DRR in Gold (ich wurde ehrenvoll, jedoch aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig und dauernd dienstuntauglich aus der Armee entlassen, dieser Auszeichnung sollte mir nach inoffizieller Begründung durch den Stabschef der Truppenteils meinen Wiedereinstig ins Berufsleben erleichtern und irgendwelchen Gerüchten vorbeugen)

Alle Auszeichnungen waren mit hohen Geldzuwendungen verbunden-

Hobbies

Fotografieren analog und digital (einschließlich Bearbeitung der Fotos)

Musik (deutsche Schlager, Klassische Musik, Opern

Reisen

Filme (Krimis, historische Romane, Fachliteratur)

Meine Reise ans Ende Europas (Zum Nordkap)

Im Jahr 1993 war ich als Reiseleiter mit 2 Reisegruppen per Bus (Halle-Reisen im Auftrag des Austria-Reiseclub Leipzig) zum Nordkap unterwegs.

Die Hinreise von Leipzig – Fähre nach Schweden – Stockholm – Fähre nach Helsinki/Finnland – Fahrt durch Finnland nach Finnisch-Lappland – entlang des Tornio Flusses nach Norwegen – mit der Fähre zur Nordkap-Insel Magerøya (mit Übernachtung auf der Insel) – Nordkap um 24.00 Uhr MESZ – Rückreise über Narvik – weiter nach Schweden/Umea – entlang der schwedischen Ostseeküste nach Kopenhagen/Dänemark (hier Übernachtung in der Suite des Grandhotels) – zurück nach Leipzig.

Jede Reise dauerte 15 Tage und wir haben jeweils mehr als 6.700 km, mit drei Fährüberfahrten. Zwei Fährüberfahrten nachts mit der TT-Line bzw. Stena-Line in Zwei-Bett-Kabinen inkl. schwedischem Frühstück (Buffet) zu bewältigen, alle Übernachtungen fanden in **** und ***** Sterne Hotels statt.

Wir beide am Nordpolarkreis in Finnland
Am Nordkap um 24:00 Uhr MESZ

Auf der ersten Reise hatte ich einen noch sehr jungen Fahrer (22 Jahre jung), der seinen Job hervorragend gemeistert hat. Wir haben uns gegenseitig unterstützt und so konnten die Reisen zu einem Erlebnis sowohl für die Reisegäste als auch für uns werden.

Die Fotos zeigen uns am Nordpolarkreis sowie am Nordkap, ein Foto mich allein ebenfalls am Nordkap. Die Aufnahmen am Nordkap entstande 24.00 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit.

Ich erinnere mich sehr gern an diese Reisen.

Fotos: © und alle Rechte bei Michael Köhler / Juni 1993

Zur Wahl in Hamburg am 23.02.2020

23.02.2020, 20:15:00

Liebe CDU,

vielleicht lernen Sie nun mal, was es heisst die Wählerinnen und Wähler nicht zu verprellen.

Erst in Thüringen der eklatante Bruch mit der Demokratie – die Wahl eines „Scheinkandidaten“ mit Hilfe der AfD und dann die unerfreuliche Diskussion der Hardliner über die Zusammenarbeit mit der Partei DIE LINKE.

Sollten Sie es mitbekommen haben, die Partei DIE LINKE steht auf dem Boden des Grundgesetzes, die AfD nicht – stand sie auch niemals.
Wenn der neue Ostbeauftragte der Bundesregierung der Partei DIE LINKE eine Mitschuld am Aufstieg der AfD gibt, so ist das wohl der letzte verzweifelte Versuch, eigene Fehler zu vertuschen.
Dieser am „grünen Tisch“ gefasste „Unvereinbarkeits-Beschluss“, generell nicht mit der Partei DIE LINKE zusammen zu arbeiten ist gescheitert.
Eine Parteivorsitzende, kurz AKK genannt, die eine derartig eklatante Führungsschwäche aufweist (übrigens schon von Anfang an) ist einfach unfähig, ihre Partei in die richtige Richtung zu führen.
Dort würde ich als erstes ansetzen und schnellstmöglich eine geeignete Persönlichkeit einsetzen.
Die Trennung von Parteivorsitz und Kanzlerschaft, das ewige Genörgle durch den Bayern Seehofer gegen die Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel, haben dazu geführt, dass die CDU mit wahrscheinlich nur 11 % in die Hamburger Bürgerschaft einzieht und damit totaler Wahlverlierer ist.

Ich hoffe sehr, dass sich die Prognosen hinsichtlich der AfD festigen und diese unsäglichen Nazis aus der Bürgerschaft verschwinden. Hoffentlich dann auch in den anderen Landesparlamenten und dem Bundestag.
Diese Adolf-Höcke-Partei muss aus der politischen Landschaft der Bundesrepublik Deutschland verschwinden. Das ist auch die Aufgabe der CDU als Volkspartei, dafür zu sorgen.

Mit freundlichen Grüßen

Michael Köhler

P.S.:
Ich bin weder Mitglied oder Sympathisant der Partei DIE LINKE. Ich gehöre eher zu politischen Mitte und habe bisher CDU gewählt. Schon bei der Wahl von AKK habe ich mitgeteilt, dass ich mein Wahlverhalten ändern.

Mein Auftrag: Fotos von der Namensgebung 43. Polytechnische Oberschule „Walter- Ulbricht“

Im Frühjahr 1980 (also vor 40 Jahren) wurde ich von Eltern, deren Kinder die 43. Polytechnische Oberschule in der Max-Planck-Strasse in Leipzig besuchten, gefragt, ob ich bei der Festveranstaltung zur Namensgebung der Schule als „Walter-Ulbricht-Oberschule“ die Fotos machen würde.

Ich habe bis Ende der 1980-er Jahre viel fotografiert und diese in meinem eigenen Fotolabor entwickelt und vergrößert. Den Auftrag nahm ich gerne an, zumal ich damit auch Geld verdienen konnte.

Walter Ulbricht war von 1950 – 1971 der Erste Sekretär des Politbüros der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED), er war erste Vorsitzende Staatsrates der DDR 1960 – 1971 (wurde kurz als Staatsratsvorsitzende bezeichnet, vorher war Wilhelm Pieck Präsident der DDR, dieses  Amt wurde 1960 abgeschafft).

Zentralbild/Junge 31.1.1961 Klingenthal Walter Ulbricht in Klingenthal. – Der Vorsitzende des Staatsrates der DDR, Walter Ulbricht, weilte am Wochenende bei den Musikinstrumentenbauern in Klingenthal im Erzgebirge. In Begleitung seiner Gattin unternahm er hier auch Skiwanderungen und sah sich die III. Internationalen Skiwettkämpfe in den Nordischen Disziplinen an. U.B.z: Walter Ulbricht und Gattin beim Start und Ziel vom Langlauf zur Nordischen Kombination. **

1971 wurde Ulbricht durch Erich Honecker entmachtet.

Im Fernsehen der DDR und in der Presse wurden Filmaufnahmen und Bilder veröffentlich, die Ulbricht an seinem Geburtstag am 30. Juni 1971 zeigen, als er im Morgenmantel und in Hausschuhen (inszeniert als „alter und kranker Mann“) die Glückwünsche der Mitglieder des Zentralkomitees der SED, allen voran Erich Honecker, entgegen nahm.

Damit war die Ära Ulbricht offiziell beendet, man hörte bis zu seinem Tod am 01. August 1973 (ausgerechnet während der „Weltfestspiele der Jugend und Studenten“, die wurden angeblich auf seinen Wunsch weiter veranstaltet.) nicht mehr viel über ihn.

Es gab nach den „Weltfestspielen“ formal einen Staatsakt und das Begräbnis.

Damit war Walter Ulbricht aus dem Gedächtnis der Partei (SED), des Staates und der Geschichte der DDR verschwunden. Nicht aber aus den Köpfen der Bürger der DDR. Schließlich hatte er den Bau der Mauer veranlasst und dafür gesorgt, dass der „Schießbefehl“ erlassen wurde (bereits 1960). Ulbricht war der typische stalinistsche Parteifunktionär.

Um seine Witwe, Lotte Ulbricht, rankten sich viele Geschichten. Angeblich solle sie in der Schweiz leben, im Internationalen Frauenbund engagiert sein usw.

Umso erstaunter war ich, als ich vor Beginn der Feierstunde zur Namensgebung einer alten Dame vorgestellt wurde, die tatsächlich Lotte Ulbricht war.

Sie fragte mich, was ich hier machen wolle.

Ich erzählte ihr, dass ich für die Schule die Fotos machen soll, um dieses festliche Ereignis zu dokumentieren und fragte sie, ob sei damit einverstanden wäre, dass ich ein paar Fotos von ihr mache.

Sie tätschelte mein Gesicht und sagte „Junge, selbstverständlich, aber nur von meiner Schokoladenseite“, auf der anderen hatte sie einen großen Pigmentfleck.

Ich hielt mich daran und sie genehmigte mir die Fotos.

Es war ein interessanter Tag für mich, der in meinem Fotolabor endete, als ich die Fotos getrocknet und je einen Abzug zu Lotte Ulbricht gebracht hatte.

Musikcorps der Pionierorganisation auf den Stufen zum Zentralstadion (in der Nähe der 43. POS)
Aufzug der Ehrengäste (in der Mitte Lotte Ulbricht)
Ansprache von Lotte Ulbricht
Eintrag ins Ehrenbuch der Schule (im Beisein eines Vertreters der Stadt Leipzig und eines Pioniers)

Copyright für die schwarz/weiss-Fotos von Lotte Ulbricht by Michael Köhler/2020

  • Copyright für das Farbfoto von Walter Ulbricht „Neujahrsansprache 1970“
  • CC BY-SA 3.0 de
  • File: Bundesarchiv Bild 183-J1231-1002-002 Walter Ulbricht, Neujahrsansprache.jpg
  • Erstellt: 31. Dezember 1970date QS:P571,+1970-12-31T00:00:00Z/11
  • Copyright für das S/W-Foto „Klingenthal, Walter Ulbricht mit Gattin
  • Bundesarchiv, Bild 183-80009-0001
  • Junge, Peter Heinz
  • CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE
  • Januar 1961

Warum ich bin wie ich bin

Seit meiner Kindheit leide ich unter Angststörungen. Das beschreibe ich im dritten Absatz. Einige meiner Mitmenschen und ein Chef haben diese permanente Angst erkannt und meine Situation schamlos ausgenutzt.

Erst während einer 9-montigen stationären Psychotherapie von Ende Oktober 1996 bis Anfang August 1997 konnte ich der Sache auf den Grund gehen.

Es gibt zwei traumatische Erlebnisse in meiner Kindheit, die dazu geführt haben.

Als 4-jähriger kleiner Junge musste ich mit ansehen, wie mein Vater am Heiligabend 1959 um 16:00 Uhr verhaftet und abtransportiert wurde. Es klingelte an der Tür, ich rannte hin, weil ich dachte der Weihnachtsmann kommt. Statt der roten Kleidung und dem langen weißen Bart sah ich zwei große Männer in schwarzen Ledermänteln und mit schwarzen Hüten auf dem Kopf. Diese Männer schoben mich beiseite, gingen zielstrebig an die Türen in der Wohnung, rissen sie auf und fanden meinen Vater im Wohnzimmer, wo er sich zusammen mit meinem kleinen Bruder (damals 2 Jahre alt), meiner Mutter und seinen Eltern (meinen Großeltern, die gemeinsam mit uns in der großen Wohnung lebten) aufhielt.

Ohne Worte rissen sie meinen Vater aus dem Sessel, er konnte sich gerade noch Schuhe und Mantel holen, schon waren sie mit ihm verschwunden. Meine Großmutter, seine Mutter, schrie und wollte nicht wieder aufhören. Anschließend betete sie ein Ave Maria nach dem anderen. Mein Bruder und ich waren völlig verstört, unsere Mutter hat sich liebevoll um uns gekümmert und konnte ihrem eigenen Schmerz nicht einmal rausschreien, wie sie es sicher getan hätte. Mein Großvater war vor Schreck ganz still geworden. Er, der nie ein Freund großer Worte war, saß völlig erstarrt auf seinem Stuhl und hat tagelang kein Wort gesprochen.

Seit dieser Zeit habe ich ein sehr gestörtes Verhältnis zu Weihnachten. Auch heute noch ist „das Fest der Liebe“ für mich kein richtiger Grund zum Feiern.

Was alles hinter dieser Verhaftung stand, haben wir vollständig erst nach der „Wende“ erfahren, als mein Bruder zwischen 2008 und 2010 endlich die Unterlagen von der Stasi-Unterlagenbehörde einsehen konnte. Das berichte ich in einem anderen Zusammenhang ausführlicher.

Erst ein dreiviertel Jahr später war mein Vater an einem sonnigen Morgen wieder zu Hause. Ich war gerade aufgestanden und sah ihn im Bad stehen, er rasierte sich.

Mein Bruder und ich wurden von unseren Eltern im katholischen Glauben, trotzdem weltoffen und zur Toleranz erzogen.

Die katholische Erziehung war dem Umstand zu verdanken, daß meine Großeltern (immer als die Eltern meines Vaters beschrieben), besonders aber meine Großmutter streng gläubig, waren und wollten, daß dies natürlich auch auf die Enkel übertragen wird. Mein kleiner Bruder war für das Priesteramt „vorgesehen“. Meine Mutter war evangelisch und musste für die Hochzeit mit meinem Vater zum katholischen Glauben konvertieren.

Wir Kinder gingen zum Religionsunterricht, lernten dort alles, was für einen richtigen Katholiken notwendig ist. Natürlich in kindgerechter Form.

Irgendwie war es für mich immer ein Erlebnis, vor allem wenn die Heiligen- und Märthyrer-Geschichten behandelt wurden.

Selbstverständlich war auch die Beichte (also dem Prister die kleinen, meist sehr kleinen „Sünden“ zu berichten) sehr wichtig, wir waren jede Woche dort. Ich hatte aber immer Angst, daß ich etwas falsch gemacht haben könnte und in die Hölle dafür komme.

Das wäre für mich das Schlimmste gewesen.

Ich habe bereits mit 7 Jahren gemerkt, daß ich mich eher zu Männern hingezogen fühlte. Als wir etwas größer und älter waren, kam auch das Thema „Sexualiät“ im Religionsunterricht auf den Plan. Selbstverständlich nicht so offen wie heute. Besonders wurden die Jungs (wir erhielten den Unterricht getrennt von den Mädchen), belehrt niemals „Hand an sich selbst zu legen“, das wäre eine unentschuldbare, schwere Sünde. Außerdem wäre noch schlimmer, wenn zwei Jungs oder Männer dies miteinander täten.

Eines Tages war unser Jugendpfarrer entweder krank oder hatte Urlaub, auf jeden Fall war plötzlich bei der Beichte ein anderer, älterer Priester da. Ich erzählte meine kleinen Sünden (also ich bin irgendwo zu spät gekommen, habe beim Religionsunterricht nicht richtig aufgepasst, meiner Mutter 10 Pfennige aus dem Portemonnaie [Geldbeutel] gestohlen usw.). Kleine unerhebliche Sünden.

Plötzlich fragte mich der Pfarrer ob ich wüsste, wie man „Selbstbefriedigung“ in der Umgangssprache nenne. Sofort dachte ich, der weiß alles – jetzt kommst du hier nicht wieder raus, sondern gleich ins Höllenfeuer. Er bedrängte mich, das „w….n“-Wort zu sagen. Natürlich kannte ich das, schließlich sprachen alle größeren Jungs auf dem Schulhof darüber. Nach langem Rumeiern meinerseits sagte ich ihm das „f….n“-Wort. Das sei falsch, sagte der Priester, gab mir meine Strafe für meine Sünden (10 Vater-Unser) und ermahnte mich, beim nächsten Mal ehrlich zu sein. Ich bin nie wieder zur Beichte gegangen, wenn dieser Priester da war.

Wir wurden älter, irgendwann konnten meine Großeltern nicht mehr zum sonntäglichen Gottesdienst mitkommen, also waren mein Bruder und ich allein unterwegs. Die Gottesdienste fanden in der Lutherkirche am Clara-Zetkin-Park statt. So schaute einer von uns beiden durch die große Tür hinein und sah, welcher Pfarrer die Messe las. Meiner Großmutter erzählten wir irgendeine Geschichte. Zusammen, also mein Bruder und ich, sind wir dann durch den großen Park gelaufen, bei Wind und Wetter. Das war das Schönste an diesen Sonntagen.

Als wir 12 bzw. 13 Jahre alt waren (so um 1968) , veranstaltete unsere Gemeinde zusammen mit anderen Gemeinden ein Wochenende, das der „Aufklärung“ im Sinne der Katholischen Kirche gewidmet war. An diesem Wochenende waren auch nur die Jungs da, die Mädchen wurden ein Wochenende später eingeladen.

Dort wurde anhand von „technischen“ Zeichnungen dargestellt, wie der Geschlechtsakt durchgeführt werde. Immer wieder wurde betont, dies sei der höchste Liebesbeweis zwischen Eheleuten, also Mann und Frau. Außerdem diene er nur zur Zeugung von Kindern. Liebe, Spaß und Freude am Sex spielte keine Rolle und war auch eine Sünde.

Die größte, unverzeihliche Sünde sei es jedoch, wenn zwei Männer mit einander verkehren würden. Das stehe als eisernes Gesetz in der Bibel. Nur habe ich vergessen, ob es im Alten oder Neuen Testament stand. Für mich war dieses Wochenende eine fürchterliche Tortur, zumal ich mit niemandem darüber sprechen konnte. Ich war der Sünder. Ich beging die größte Sünde. Ich war kein guter Katholik.

Mit Vollendung meines 18. Lebensjahres bin ich aus der Kirche ausgetreten.

Ich achte Menschen, die einen tiefen und ehrlichen Glauben an Gott haben (egal welche Religion, nur diese Menschen müssen ehrlich sein). Wogegen ich Heuchler, egal in welcher Form, auf den Tod nicht ausstehen kann. Also solche Leute, die „Wasser predigen und selbst Wein trinken“ sind mir zutiefst zuwider.

Foto: Copyright Familienfotos der Familien Köhler, by Tom Coal 2020

Hallo liebe Besucher meines Blogs

Ich freue mich, dass Ihr den Weg zu meinem Blog gefunden habt.

Alles was mir wichtig ist, erzähle ich hier, berichte über Ereignisse und Erlebnisse, von denen ich denke, dass sie auch Euch interessieren.

Ich bezeichne mich mal als politische neutral. Dennoch habe ich eine Meinung, die ich natürlich auch hier vertrete.

Gern könnt Ihr mir schreiben, meine Beiträge kommentieren. Jedoch muss ich gleich darauf hinweisen, dass Kommentare mit rechtsextremen oder linksextremen Inhalt von mir sofort gelöscht werden. Ansonsten können wir gern über alles diskutieren und unsere Meinungen austauschen.

Es wird sicher auch einige Beiträge geben, die nicht so jugendfrei sind. Das liegt am Thema und an den Details. Jedoch werde ich in jedem Falle die Persönlichkeitsrechte achten. Wer mehr Details zu den Personen, die beschrieben werden, wissen möchte, schreibt mir bitte eine persönliche Mail. 

Foto auf dem Titelbild „Universität Leipzig“: Copyright by Michael Köhler 2020